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Gesamtfahrzeugentwicklung aus einer Hand

  • 13. Aug.
  • 4 Min. Lesezeit

Technische Gesamtverantwortung statt Schnittstellenverluste


Bei kundenspezifischen Fahrzeugprojekten entstehen kostspielige Probleme häufig nicht dort, wo eine einzelne Disziplin fachlich versagt. Sie entstehen dort, wo Entscheidungen aus Styling, Package, Struktur, Fahrwerk, Werkstoff, Fertigung oder Homologation nicht konsequent aufeinander abgestimmt wurden.


Besonders bei Sonder-, Nutz-, Einsatz- und Performancefahrzeugen verschärft sich dieses Risiko: Bestehende Plattformen werden verändert, zusätzliche Funktionen integriert, Lastfälle verschoben und Bauteile für Stückzahlen entwickelt, bei denen klassische Großserienprozesse nur bedingt funktionieren.


Technische Gesamtverantwortung bedeutet deshalb nicht einfach, möglichst viele Leistungen aus einer Hand anzubieten. Sie bedeutet, Abhängigkeiten früh zu erkennen und technische Entscheidungen über den gesamten Produktentstehungsprozess hinweg konsistent zu führen.



VELA-Ingenieur bei der CAD-Entwicklung eines Gesamtfahrzeugs mit verschiedenen Fahrzeug- und Konstruktionsmodellen auf zwei Monitoren
Gesamtfahrzeugentwicklung beginnt mit der abgestimmten Auslegung von Fahrzeugarchitektur, Bauraum, Baugruppen und technischen Schnittstellen.


Änderungen wirken selten nur an einer Stelle


Eine Änderung an der Fahrzeugstruktur kann Gewicht, Schwerpunkt, Steifigkeit, Fahrwerksabstimmung, Package, Fügetechnik und Zulassung gleichzeitig beeinflussen.


Ein neues Exterieur-Modul muss nicht nur geometrisch zum Fahrzeug passen. Es braucht definierte Befestigungspunkte, belastbare Lastpfade, beherrschbare Toleranzen, einen geeigneten Fertigungsprozess und eine Montagefolge, die auch im späteren Aufbau funktioniert.


Bei Dach-, Tür- oder Klappensystemen kommen Kinematik, Dichtigkeit, Aktuatorik, Struktur und Ergonomie hinzu. Bei Fahrwerksänderungen verändern zusätzliche Massen oder andere Schwerpunktlagen wiederum die Anforderungen an Federung, Dämpfung, Achslasten und Struktur.


Genau diese Wechselwirkungen müssen bereits während der Konzeptentwicklung bewertet werden.


Wer sie erst beim ersten Fahrzeug erkennt, korrigiert nicht mehr nur Details – sondern häufig bereits getroffene Grundsatzentscheidungen.


Von Einsatzanforderungen zu belastbaren technischen Randbedingungen


Am Anfang eines Projekts steht deshalb nicht das CAD-Modell, sondern die technische Übersetzung des Einsatzzwecks.


Relevant sind unter anderem:


  • reale Last- und Einsatzprofile

  • Package und verfügbarer Bauraum

  • Zielmassen und Schwerpunktlagen

  • Funktions- und Sicherheitsanforderungen

  • geeignete Werkstoffe und Fertigungsverfahren

  • Montage- und Servicekonzept

  • Zulassungs- und Homologationsanforderungen

  • geplante Stückzahl und Skalierbarkeit


Aus diesen Randbedingungen entsteht eine Fahrzeug- oder Baugruppenarchitektur, auf deren Basis Konstruktion, Berechnung, Fertigung und Erprobung zielgerichtet arbeiten können.


Gerade bei Fahrzeugderivaten und Sonderumbauten ist dieser Schritt entscheidend. Denn die Ausgangsplattform wurde häufig für andere Lastfälle, Funktionen und Einsatzbedingungen entwickelt.


Konstruktion und Simulation müssen die reale Umsetzung vorbereiten


Virtuelle Entwicklung reduziert Aufwand nur dann, wenn die richtigen Fragen untersucht werden.


Simulation und CAE helfen beispielsweise dabei, Lastpfade, Steifigkeit, Festigkeit, Schwingungsverhalten oder Crashanforderungen bereits vor dem Aufbau physischer Komponenten zu bewerten.

Entscheidend ist jedoch die Verbindung zur Konstruktion und späteren Fertigung.


Eine rechnerisch optimale Struktur ist wenig wert, wenn sie:

  • nur mit unverhältnismäßigem Aufwand produziert werden kann,

  • kritische Toleranzen erzeugt,

  • schlecht montierbar ist oder

  • notwendige Schnittstellen im realen Fahrzeug nicht berücksichtigt.


Deshalb müssen Berechnung, CAD und Herstellprozess iterativ miteinander arbeiten.


FEM-Simulation eines CFK-Monocoques mit farblich dargestellten Belastungs- und Spannungsbereichen
FEM-Analyse eines CFK-Monocoques zur Bewertung von Steifigkeit, Lastpfaden und strukturell kritischen Bereichen.


Werkstoffe nach Funktion auswählen – nicht nach Präferenz


Metall, Aluminium, Kunststoff, CFK und hybride Werkstoffsysteme lösen unterschiedliche Aufgaben.

Die Frage lautet daher nicht: Welcher Werkstoff ist grundsätzlich der beste?


Sondern: Welcher Werkstoff erfüllt Funktion, Lastfall, Gewichtsziel, Stückzahl und wirtschaftliche Randbedingungen am sinnvollsten?

Eine hochbelastete Struktur kann eine metallische Lösung erfordern. Für komplexe Sichtbauteile oder gewichtskritische Komponenten kann Faserverbund sinnvoll sein. Bei Gehäusen, Verkleidungen oder funktionsintegrierten Bauteilen können Kunststofflösungen Vorteile bieten.


Technische Gesamtverantwortung heißt deshalb auch, Werkstoffentscheidungen nicht isoliert zu treffen, sondern immer zusammen mit Konstruktion, Fügetechnik, Werkzeugkonzept und geplanter Stückzahl.


Zwei Mitarbeiter beim Aufbau einer Fahrzeugstruktur aus CFK und metallischen Komponenten
Aufbau einer hybriden Fahrzeugstruktur aus CFK und metallischen Komponenten – abgestimmt auf Funktion, Belastung und fertigungstechnische Anforderungen.


Der Prototyp ist ein Entwicklungswerkzeug – kein Präsentationsobjekt


Auch umfassend digital entwickelte Baugruppen müssen sich physisch beweisen.


Im Prototypenbau werden Fragen sichtbar, die sich im CAD nur eingeschränkt bewerten lassen:

  • Sind Komponenten tatsächlich zugänglich?

  • Funktionieren Montagefolgen wie vorgesehen?

  • Lassen sich Toleranzen beherrschen?

  • Passen Leitungen, Aktuatoren und Befestigungselemente in den vorgesehenen Bauraum?

  • Wie verhält sich die Baugruppe im realen Fahrzeug?


Wer Konstruktion und Prototyping eng koppelt, kann diese Erkenntnisse unmittelbar zurück in die Entwicklung führen.

Damit wird der erste Aufbau nicht zum Endpunkt der Konstruktion, sondern zu einer gezielten Validierungsstufe auf dem Weg zu einer reproduzierbaren Lösung.




Von der funktionierenden Baugruppe zur Kleinserie


Ein funktionierender Prototyp beantwortet zunächst nur eine Frage:

Funktioniert das Konzept?


Für die Kleinserie kommen weitere hinzu:

  • Ist die Lösung reproduzierbar?

  • Sind Fertigungstoleranzen definiert und beherrschbar?

  • Sind Werkzeuge und Prozesse für die geplante Stückzahl geeignet?

  • Ist die Montage effizient und robust?

  • Sind Qualitätssicherung und technische Dokumentation entsprechend aufgebaut?


Gerade hier zeigt sich der Vorteil, wenn Entwicklung und Produktion nicht voneinander getrennt betrachtet werden.

Konstruktive Entscheidungen können früh auf reale Fertigungsbedingungen abgestimmt werden, anstatt erst nach Abschluss der Entwicklung industrialisiert werden zu müssen.


Technische Gesamtverantwortung bei VELA


Die VELA Group verbindet Fahrzeugentwicklung mit Kompetenzen in Metall, Composite, Kunststoff und hybriden Werkstoffsystemen.

Dadurch können wir Projekte von der technischen Konzeption über Konstruktion und Simulation bis zum Prototypenbau, zur Integration und zur Fertigung von Baugruppen und Kleinserien durchgängig begleiten.


Fertiger Sportwagen mit Fahrer während der Vorbereitung auf eine Fahrzeugerprobung
Vom digitalen Fahrzeugkonzept zur realen Erprobung: Erst im Gesamtfahrzeug zeigt sich, ob Entwicklung, Integration und Abstimmung wie vorgesehen funktionieren.

Je nach Projekt übernehmen wir dabei nicht nur einzelne Entwicklungspakete, sondern koordinieren den technischen Gesamtprozess und führen unterschiedliche Disziplinen zu einer umsetzbaren Lösung zusammen.

Das reduziert nicht die technische Komplexität eines Projekts.

Aber es reduziert die Zahl ungeklärter Übergaben, vermeidet widersprüchliche Annahmen zwischen einzelnen Gewerken und ermöglicht es, Entscheidungen früher auf ihre Auswirkungen für Konstruktion, Fertigung, Montage, Erprobung und Zulassung zu prüfen.

Für komplexe Fahrzeugprojekte ist genau das häufig entscheidender als die isolierte Optimierung einzelner Komponenten.


Sie entwickeln ein kundenspezifisches Fahrzeug, eine neue Fahrzeugvariante oder eine komplexe Baugruppe? Sprechen Sie mit uns über die technischen Anforderungen und den geplanten Weg bis zur realen Umsetzung.

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